Pro memoria posterorum anno 1795 (Zur Erinnerung an die Nachgeborenen im Jahr 1795).

Erinnerungen des Arenberger Pastors Adam Ludwig während der Belagerung und Besatzung der Festung Ehrenbreitstein durch die Franzosen während der schlimmen Zeit der Befreiungskriege (Koalitionskriege 1792-1815).

Hier die Übersetzung des lateinischen Textes, den der Arenberger Pfarrer Anton Ludwig 1795 in das "Tauf-, Kopulier- und Sterbebuch" der Pfarrei Arenberg St. Nikolaus (Pfarrarchiv) geschrieben hat.
Info:
Pfr. Anton Ludwig war 53 Jahre Priester, davon 49 Jahre Pfarrer in Arenberg, + 30.04.1803


Im Jahre 1795, am 16. September, als die Franzosen oder Westfranken bei Neuwied den Rhein überschritten, umringten sie die Festung Ehrenbreitstein in einer Belagerung. Bei ihrer Ankunft haben die Hiesigen viele Dinge ertragen, und ich wäre wohl vom Schwert eines Reitersoldaten, der mein Geld herausforderte, durchbohrt worden, wenn ich nicht durch Gottes Gnade ein wenig zurückgewichen wäre; dennoch trug ich eine todbringende Verwundung auf der rechten Seite davon, die bis zu den Rippen durchdrang, was glücklicherweise verheilt ist.

Seit Beginn der Belagerung hatte das Dorf Niederberg in Flammen gestanden, und in Neudorf war ein Feuer entfacht, und zwar nicht durch die anrückenden Franzosen, sondern durch die Kriegsgeschütze, die der Burgkommandant vom Bollwerk daselbst aufgestellt hatte, damit besagte Dörfer nicht im Wege stünden und die Franzosen keine Zuflucht daselbst finden würden, wodurch die meisten Häuser eingeäschert wurden.

Mein Pfarrhaus war vollständig von Soldaten besetzt, darunter zwei Offiziere, der eine von der Reiterei, der andere von der Artillerie mit seiner Dienerschaft, und sie ließen mir kaum Platz übrig, während mein Kaplan auf den Kornspeicher ausweichen mußte. Was ich für einen Aufwand hatte, ist kaum zu glauben, weil ich darreichen und herbeibringen mußte, was auch immer denselben gefiel: ein erstes Frühstück, Kaffee, ein üppiges zweites Frühstück, nach dem zweiten Frühstück Kaffee; ein Mittagessen, freilich nichts Wertloses; niemals konnte ich mit einer bestimmten Zahl an Tischgästen rechnen, weil sie nach ihrem Belieben zum Frühstück, zum Essen oder auch zum Kaffee Kameraden mitbrachten. Wenn diese Belagerung nicht in der fünften Woche gewichen wäre, hätte ich wegen der maßlosen Kosten das Haus aufgeben und alles zurücklassen müssen.

Nachdem zwischenzeitlich das Heer der Franzosen unter Herzog Jordan bei Hanau nahe Frankfurt zerschlagen worden war, rückten sie von der Belagerung der Festung Ehrenbreitstein ab, obwohl dies jene teuer zu stehen kam, und wie es das Gerücht will, kamen dabei (...) 1700 Soldaten ums Leben.

In der Zeit, in der diese Belagerung andauerte vom 17. September bis zum 17. Oktober habe ich - und viele Andere in diesem Ort und in der Filiale Immendorf - in der letzten Nacht, als sie abzogen, den Raub aller Güter erlitten, nichts ließen sie mir übrig außer den Daunenfedern und dem Stroh in den Betten, und als sie diese durchsuchten, behielten sie die Leintücher für sich. Schränke und Kisten brachen sie auf und nahmen dann alles heraus. Sie brachen in meine Kammer ein; teils tranken sie von allen Weinen, derer ich nicht wenige hatte, und teils trugen sie (die Weine) in anderen Behältnissen hinweg, worunter ein wertvolles Gefäß war, das nicht unter 1000 Florin zu verkaufen gewesen wäre. Alle meine Rinder und Kühe nahmen sie hinweg.

Später versuchten sie auch, in die Kirche einzubrechen, und mit starken und festen Hieben stießen sie gegen die Sakristeipforte auf dem Friedhof sie wäre jeden Moment gewaltsam entriegelt worden, als etwa um die zehnte Nachtstunde die Kaiserlichen (Truppen) heran drängten und sie (die Franzosen) unverrichteter Dinge entflohen. Sie stahlen den Kirchenschatz der zur größeren Sicherheit, wie man glaubte, im Pfarrhaus aufbewahrt wurde, weil sie nicht vermochten, das doppelte Schloß aufzubrechen mit dem eingeschlossenen Geld, den Dokumenten und den Pfandbriefen, und trugen ihn mit sich, und was besonders schmerzhaft ist: von den Dokumenten, die ihnen nicht nutzen konnten, erhielten wir nicht einen Brief zurück.

Dies war in jener Zeit unser schweres Schicksal, das unserer Sünden halber gleich einem Blitz (?) von der Gerechtigkeit des Allmächtigen wider uns geschleudert worden war.

Gott, dessen Barmherzigkeit über allen seinen Werken steht, bewahre die Nachfahren vor einer solchen Invasion: wenn sie gesündigt haben, mögen sie sich rechtzeitig an die Buße (...) erinnern, durch die sie sich vermittelst Christi Wohltat von ihren Sünden freikaufen können, damit nicht die gerecht schützende Hand Gottes jene inmitten der Fluten seiner Befreiung entreißt.

Anton Ludwig, Pastor, eigenhändig.